Die Angst sitzt beim Bären und Wolf – dabei sind genau die auf dem Olavsweg kein Thema. Sie leben fast ausschließlich im Osten an der schwedischen Grenze und im hohen Norden, weit weg von der Route (Details und Karte auf unserer Bären-Seite). Das eine Tier, das dir am Weg wirklich gefährlich werden kann, ist ein anderes: der Moschusochse am Dovrefjell. Alles andere – Luchs, Elch, Kreuzotter, Zecken – ist entweder harmlos oder nur mit etwas Umsicht zu behandeln.
Norwegens einzige Moschus-Population lebt auf dem Dovrefjell – rund 220 Tiere in einem Kerngebiet von 340 km² über Oppdal, Dovre und Lesja. Und der Olavsweg quert dieses Gebiet mitten hindurch: von Fokstugu über Hjerkinn und Kongsvoll hinab nach Drivstua läufst du direkt durch Moschusland.
Der Moschusochse ist genau deshalb gefährlich, weil er sich anders verhält als alle anderen großen Tiere Norwegens: Er flieht nicht, er greift an, wenn er sich bedrängt fühlt. Ein ausgewachsener Bulle wiegt bis zu 450 kg und erreicht 60 km/h – weglaufen ist zwecklos. In Norwegen sind so schon zwei Menschen ums Leben gekommen (einer 1964 auf dem Dovrefjell).
Die gute Nachricht: Auf Abstand sind sie selten ein Problem. Die Nationalparkverwaltung nennt 200 Meter als Sicherheitsabstand. Kommst du näher, warnt das Tier zuerst (Schnauben, Kopf am Bein reiben, Scheinangriff) – dann ist es höchste Zeit, sich ruhig zurückzuziehen, ohne zu rennen. Nie zwischen die Tiere gehen, nie für ein besseres Foto heranpirschen.
Nachweise: GBIF.org · Relief: Kartverket · Track: Nasjonalt Pilegrimssenter.
Die großen Raubtiere sind in Norwegen streng auf bestimmte Regionen konzentriert – und der Olavsweg gehört nicht dazu:
Luchs (gaupe): rund 530 Tiere, viele davon im Innlandet – also durchaus entlang der Route. Für Menschen ist der scheue Luchs aber keine Gefahr; du wirst ihn praktisch nie zu Gesicht bekommen.
Elch (elg): den triffst du eher – wir haben ihn immer wieder im Fernglas gesehen. Der Elch ist grundsätzlich friedlich und flieht. Vorsicht gilt nur bei einer Elchkuh mit Kalb: Fühlt sie sich bedrängt, kann sie angreifen. Nie zwischen Kuh und Kalb geraten, Abstand halten, ruhig ausweichen. Das größere Elch-Risiko ist ohnehin der Straßenverkehr, nicht der Wanderweg.
Die Kreuzotter (huggorm, Vipera berus) ist die einzige Giftschlange in Norwegens Natur. Sie lebt in fast ganz Süd- und Mittelnorwegen – der nördlichste Fund liegt in Nordland, also nördlich von Trondheim –, damit auch am Olavsweg. Norwegens zwei andere Schlangen (Ringelnatter, Schlingnatter) sind ungiftig.
Wir selbst haben unterwegs nur einmal eine Schlange gesehen – am Straßenrand, aber die war so schnell weg, dass es nicht einmal für ein Foto reichte. Genau so verhalten sich Kreuzottern: Sie fliehen, wenn sie einen Menschen bemerken, und beißen fast nur, wenn man sie versehentlich berührt oder in die Enge treibt.
Ein Kreuzotterbiss ist unangenehm, aber selten lebensgefährlich: Etwa 30 % sind „Trockenbisse" ohne Giftabgabe, die wenigsten Gebissenen brauchen Intensivbehandlung, Todesfälle sind in Norwegen sehr selten. Nach einem Biss gilt: ruhig bleiben, die betroffene Stelle wenig bewegen und ärztliche Hilfe suchen.
Zecken (skogflått) sind der wichtigste Krankheitsüberträger unter den Blutsaugern in Nordeuropa – sie können Borreliose und die Hirnhautentzündung FSME (TBE) übertragen. Für den Olavsweg ist die Einordnung wichtig: Das FSME-Risiko für Menschen ist in Norwegen bislang auf die Südost-Küste und das Oslofjord-Tiefland beschränkt (dokumentierte Fälle nur in wenigen Küstenregionen im Südosten). Die Bergroute über das Dovrefjell liegt außerhalb; erst am Zielraum Trondheim wurde das Virus überhaupt in Zecken nachgewiesen – bisher ohne einen einzigen Erkrankungsfall.
Borreliose-Zecken reichen weiter ins Landesinnere. Deshalb lohnt sich der übliche Schutz vor allem in den bewaldeten, tieferen Abschnitten: lange, helle Kleidung, Mückenschutz, und abends den Körper absuchen – so haben wir es ohnehin gehalten (siehe Packliste).
Was dich noch interessieren könnte: