Wikinger, König und Norwegens ewiger Heiliger
König Olav – norwegisch Olav II. Haraldsson, im Deutschen oft Olaf, altnordisch Óláfr – war ein norwegischer König an der Schwelle zum zweiten Jahrtausend. Er lebte von etwa 995 bis 1030, war Wikinger, König und wurde nach seinem Tod zum Heiligen Olav, dem Nationalheiligen Norwegens. Nach ihm ist der Olavsweg benannt – der Pilgerweg, der zu seinem Grab im Nidarosdom in Trondheim führt.
Olav II. Haraldsson stammte aus dem norwegischen Kleinkönigsgeschlecht der Ynglinger und war ein Nachfahre des Reichseinigers Harald Schönhaar. Geboren wurde er nach den altnordischen Sagas um das Jahr 995. Bekannt ist er unter vielen Namen: zu Lebzeiten Olav Digre („der Stämmige“), nach seinem Tod Olav der Heilige (Olav den hellige) und als Rex Perpetuus Norvegiae – der ewige König Norwegens.
In seinen wenigen Lebensjahren durchlief er drei Rollen, die kaum unterschiedlicher sein könnten: erst der plündernde Wikinger, dann der harte König, der Norwegen mit dem Schwert einte und christianisierte, und schließlich der verehrte Heilige, dessen Grab ganz Nordeuropa zum Pilgern brachte.
Wie viele junge Männer seiner Zeit ging Olav früh auf Wikingfahrt. Die Sagas berichten von Raubzügen entlang der Ostsee, in Friesland, England und bis nach Spanien. In England kämpfte er in den Wirren zwischen Angelsachsen und Dänen mit – die berühmte Erzählung vom Einreißen der London Bridge wird ihm zugeschrieben und soll bis in den Kinderreim „London Bridge is falling down“ nachwirken.
Auf seinen Fahrten kam Olav mit dem Christentum in Berührung. Um 1013/1014 ließ er sich – der Überlieferung nach in Rouen in der Normandie – taufen. Aus dem Wikinger wurde ein christlicher Heerführer mit einem Ziel: die Königsherrschaft über ganz Norwegen.
Um 1015 kehrte Olav nach Norwegen zurück und ließ sich zum König ausrufen. Er setzte durch, was vor ihm keinem dauerhaft gelungen war: Er unterwarf die mächtigen Kleinkönige und Jarle und einte das Land unter einer Krone. Zugleich machte er das Christentum zur verbindlichen Religion – nicht durch Predigt allein, sondern mit Nachdruck. Alte Kultstätten wurden zerstört, Kirchen errichtet, ein erstes christliches Recht (das „Christenrecht“) auf dem Thing beschlossen.
Diese Härte brachte ihm Feinde. Der norwegische Adel verbündete sich mit Knut dem Großen, dem dänisch-englischen König, der selbst Anspruch auf Norwegen erhob. Um 1028 musste Olav vor Knuts Übermacht fliehen. Sein Weg führte ihn ins Exil nach Gardarike (der Kiewer Rus), an den Hof des Großfürsten Jaroslaw des Weisen.
1030 kehrte Olav zurück, um sein Reich zurückzugewinnen. Am 29. Juli 1030 stellte er sich bei Stiklestad nördlich von Trondheim einem übermächtigen Bauernheer. Die Schlacht endete mit seiner Niederlage und seinem Tod – Olav fiel im Kampf.
Was als militärische Katastrophe begann, wurde zur Geburtsstunde eines Mythos. Sein Leichnam wurde heimlich nach Nidaros – dem heutigen Trondheim – gebracht und dort begraben. Stiklestad ist bis heute ein Erinnerungsort, an dem jedes Jahr um den Todestag ein großes Freilichtspiel aufgeführt wird.
Schon bald nach der Bestattung berichteten Menschen von Wundern an Olavs Grab. Aus dem gefallenen und zu Lebzeiten durchaus umstrittenen König wurde in kürzester Zeit ein Heiliger. Bereits 1031, gut ein Jahr nach seinem Tod, erklärte Bischof Grimkell ihn für heilig und erhob seine Gebeine.
Olav wurde zum wichtigsten Heiligen Nordeuropas und zum ewigen König Norwegens. Sein Todestag, der 29. Juli, wird in Norwegen bis heute als „Olsok“ begangen. Über seinem Grab wuchs aus einer hölzernen Kapelle im Lauf der Jahrhunderte der mächtige Nidarosdom – bis heute die Krönungskirche der norwegischen Könige.
Mit der Heiligsprechung setzte eine der großen mittelalterlichen Pilgerbewegungen Europas ein. Aus ganz Skandinavien und darüber hinaus zogen Menschen zum Grab des heiligen Olav in Nidaros. Die Wallfahrt nach Nidaros galt religiös als ähnlich bedeutend wie eine Reise nach Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela.
Aus diesen Pilgerpfaden entstand ein ganzes Wegenetz mit dem Ziel Nidarosdom – der Olavsweg bzw. Olavsleden, norwegisch Pilegrimsleden. Die bekannteste Route, der Gudbrandsdalsleden von Oslo nach Trondheim, ist rund 643 Kilometer lang; daneben führen mehrere weitere Nidaroswege aus allen Himmelsrichtungen ans Ziel. Die Reformation beendete das Pilgern zunächst; seit der Wiedereröffnung 1997 gehen wieder Menschen den Weg, den einst die Verehrung König Olavs geschaffen hat.
Wer heute in Trondheim ankommt und den Olavsbrief erhält, steht dort, wo vor fast tausend Jahren die Geschichte des heiligen Olav endete – und die des Olavswegs begann.
Rund um König Olav kursieren viele Schreibweisen, die alle dieselbe Person meinen:
Entsprechend heißt auch der Weg zu seinem Grab je nach Sprache Olavsweg, Olavsleden, St. Olavsweg oder norwegisch Pilegrimsleden. Nicht zu verwechseln ist der mittelalterliche König Olav mit dem modernen König Olav V. (1903–1991), dem im 20. Jahrhundert beliebten „Volkskönig“ Norwegens – benannt ist der Pilgerweg nach dem heiligen Olav II. Haraldsson.
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