Was man beim Pilgern im Regen braucht

Auch im Regen und bei Nässe kann man pilgern

Auch im Regen und Nässe kann man Pilgern.

Pilgerwanderung im Regen

Auch im Regen kann man Pilgern. Ja, man muss im Regen pilgern, da man beim Wetter keine Wahl hat. Wichtig für das Pilgern im Regen ist die richtige Ausrüstung und Kleidung. Regenfeste Schuhe sind dabei essentiell. Stephan hatte atmungsaktive Bergschuhe, die nicht wasserdicht waren. Schlimmer noch, sie waren unten wasserdicht, so dass das Wasser, das oben reinlief, im Schuh blieb.

Die zweite Herausforderung bei unserer Pilgerreise im Regen war der Rucksacküberzug. Auch Mitpilger hatten damit zu kämpfen. Wenn der Wind von vorne kommt, bläst er den Regen unter den Überzug. Wenn dieser unten das Ablaufloch nicht genau zentriert hat, staut sich zentimeterhoch das Wasser und der Rucksack wird nass.

Mit einer regenfesten Jacke (Wasserdichtigkeit 30.000 mm) und Regen-Poncho konnten wir auch den ganzen Tag im Regen laufen. Was sonst noch alles in den Rucksack gehört, zeigt unsere komplette Packliste zum Pilgern auf dem Olavsweg.

Wie viel Regen fällt auf dem Olavsweg?

Wie viel Regen dich erwartet, hängt stark davon ab, wo du gerade auf der Route bist. Die folgenden Diagramme zeigen den durchschnittlichen Niederschlag und die mittlere Temperatur für die Wandermonate Mai bis September an vier Stationen entlang des Wegs – vom Tiefland bei Oslo über das lange Gudbrandsdal und das hohe Dovrefjell bis an die Küste bei Trondheim.

Niederschlag pro Monat (mm)
0255075100MaiJunJulAugSep
Mittlere Temperatur (°C)
05101520MaiJunJulAugSep
Oslo (Blindern) 94 mLillehammer 240 mDovrefjell (Fokstugu) 973 mTrondheim (Voll) 127 m

Zahlen hinter der Station = Höhe der Wetterstation über dem Meer.

Niederschlag (mm) & Regentage (≥ 1 mm)
StationMaiJunJulAugSep
Oslo (Blindern)609 T8010 T8711 T10311 T829 T
Lillehammer61697710066
Dovrefjell (Fokstugu)357 T479 T6811 T6911 T387 T
Trondheim (Voll)5072708490
Mittlere Temperatur (°C)
StationMaiJunJulAugSep
Oslo (Blindern)11,415,317,616,512,1
Lillehammer9,413,716,114,510,1
Dovrefjell (Fokstugu)4,18,311,19,96,0
Trondheim (Voll)8,511,814,814,110,6
Klimanormale 1991–2020 für vier Stationen entlang der Route (Mai–September). Auf dem Dovrefjell (Fokstugu, 973 m) ist es das ganze Jahr rund 5 °C kälter als im Tiefland – bei Regen und Wind fühlt es sich noch deutlich kälter an.
Datengrundlage: MET (Meteorologisk institutt) / seKlima · „Basert på data fra MET".

Zwei Dinge fallen auf: Im Tiefland (Oslo, Lillehammer) ist ausgerechnet der Hochsommer – Juli und August – am nassesten. An der Küste bei Trondheim bleibt der Niederschlag bis in den September hoch. Auf dem Dovrefjell fällt zwar in Summe weniger Regen, dafür ist es dort durchgehend rund 5 °C kälter – und genau diese Kombination aus Nässe, Wind und Kälte ist die eigentliche Herausforderung. Mehr dazu, wann die beste Reisezeit ist.

Die richtige Regenausrüstung

Gegen Dauerregen hilft kein einzelnes Kleidungsstück, sondern ein System aus mehreren Lagen und Schutzschichten:

  • Regenjacke (Hardshell): wasserdicht und atmungsaktiv, Wassersäule ab etwa 20.000 mm, mit Kapuze und verstellbaren Bündchen. Sie muss vor allem bei Wind dichthalten, wenn der Regen waagerecht kommt.
  • Regenponcho: deckt zusätzlich den Rucksack mit ab und belüftet besser als eine Jacke allein. Bei Wind flattert er allerdings – ideal ist die Kombination aus Jacke und Poncho.
  • Regenhose: über der Wanderhose, am besten mit seitlichem Reißverschluss zum Anziehen über die Schuhe.
  • Gamaschen: halten Wasser, Matsch und Steinchen aus den Schuhen – gerade auf den moorigen, überschwemmten Abschnitten Gold wert.
  • Schuhe: Wichtiger als „wasserdicht" ist, dass der Schuh wieder trocknet. Ein unten dichter Schuh, in den oben Wasser läuft, wird zur Badewanne. Viele kommen mit schneller trocknenden Schuhen und mehreren Paar Wechselsocken besser durch als mit hohen Membranstiefeln.
  • Rucksackschutz: Überzug plus Inliner. Ein wasserdichter Packsack oder ein stabiler Müllsack im Inneren hält den Inhalt trocken, auch wenn der Überzug bei Wind versagt.
  • Hände und Kopf: dünne, schnell trocknende Handschuhe und eine Mütze – nasse, kalte Hände sind auf dem Fjell ein echtes Problem.

Trocken bleiben – unsere Strategie

Ganz trocken bleibt bei tagelangem Regen niemand. Es geht darum, das Nasswerden zu begrenzen und vor allem eines trocken zu halten: die Reservekleidung für abends.

  • Zwiebelprinzip: lieber mehrere dünne Lagen als eine dicke – so kannst du Schweiß und Regen getrennt steuern.
  • Wechselkleidung trocken lagern: ein kompletter Satz trockene Kleidung im wasserdichten Packsack, der unterwegs nicht angerührt wird.
  • Elektronik schützen: Handy, Powerbank und eReader in Ziplock-Beutel oder wasserdichte Hülle.
  • In der Herberge trocknen: nasse Sachen abends aufhängen, Schuhe mit Zeitungspapier ausstopfen. Nicht jede Herberge hat einen Trockenraum – frag früh nach dem besten Platz.
  • Pausen kurz halten: im Regen kühlt man beim Stehen schnell aus. Lieber in Bewegung bleiben und an geschützter Stelle kurz rasten.

Kälte und Nässe: die eigentliche Gefahr

Regen allein ist unangenehm, Regen plus Kälte plus Wind ist gefährlich. Auf dem Dovrefjell kamen wir im August in einen Sturm mit Eisregen und Schneefall – gefühlt weit unter null, ohne Schutz weit und breit. In solchen Situationen droht Unterkühlung.

Das nächste Mal würden wir eine Powerbank mit Wärmefunktion mitnehmen; auf dem Dovrefjell ist es bei Regen und Sturm sehr kalt, ein Wärmeakku hätte uns hier viel geholfen. Genauso wichtig: warme Reservekleidung trocken halten, früh genug eine Herberge oder Schutzhütte ansteuern und im Zweifel eine Etappe abbrechen. Auf dem offenen Hochplateau gibt es kaum Unterstände.

Füße und Blasen bei Nässe

Nasse Füße werden weich und neigen zu Blasen. Was bei uns geholfen hat: Socken wechseln, sobald es geht, Füße in Pausen lüften, Hirschtalg oder Fußcreme vorbeugend auftragen und Blasenpflaster griffbereit haben. Alles dazu steht in unserer Packliste und den Ausrüstungstipps.

Regenausrüstung auf einen Blick

Kleidung

  • 1x Regenjacke (Hardshell, wasserdicht & atmungsaktiv)
  • 1x Regenponcho (deckt auch den Rucksack)
  • 1x Regenhose
  • 1x Outdoor-Regengamaschen
  • schnell trocknende Schuhe + mehrere Paar Wechselsocken
  • dünne Handschuhe & Mütze

Rucksack & Sonstiges

  • Rucksacküberzug plus wasserdichter Inliner / Packsack
  • Ziplock-Beutel für Elektronik
  • Powerbank mit Wärmefunktion
  • Blasenpflaster, Hirschtalg / Fußcreme

Häufige Fragen zum Pilgern bei Regen

Wie viele Regentage muss man auf dem Olavsweg rechnen?
In den Wandermonaten Mai bis September regnet es je nach Region an rund 7 bis 13 Tagen pro Monat. Im Tiefland (Oslo, Lillehammer) ist der Hochsommer am nassesten, an der Küste bei Trondheim fällt bis in den September viel Regen. Ganz ohne Regen kommt fast niemand durch.
Regenjacke oder Poncho – was ist besser?
Beides zusammen. Eine wasserdichte, atmungsaktive Hardshell-Jacke (Wassersäule ab ca. 20.000 mm) hält bei Wind dicht, ein weiter Regenponcho deckt zusätzlich den Rucksack ab und belüftet besser. Wir sind mit beidem ganze Tage im Regen gelaufen.
Sind wasserdichte Wanderschuhe sinnvoll?
Nur, wenn sie oben nicht überlaufen. Läuft Wasser von oben in einen unten dichten Schuh, bleibt es darin stehen. Auf den nassen, oft überschwemmten Abschnitten sind viele mit schneller trocknenden Trailschuhen und Wechselsocken besser gefahren als mit hohen Membranstiefeln.
Wie schützt man den Rucksack vor Regen?
Ein Regenüberzug allein reicht bei Wind von vorne nicht – der Regen läuft darunter. Zuverlässiger ist ein Inliner: ein wasserdichter Packsack oder ein stabiler Müllsack im Rucksack, der den Inhalt trocken hält, auch wenn der Überzug versagt.
Wie kalt wird es bei Regen auf dem Dovrefjell?
Das Dovrefjell ist im Schnitt rund 5 °C kälter als das Tiefland, in 900–1300 m Höhe kann es auch im Juli und August um den Gefrierpunkt liegen. Mit Wind und Nässe droht Unterkühlung – warme Reservekleidung und eine Powerbank mit Wärmefunktion gehören hier ins Gepäck.
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