Sicherheit auf dem Olavsweg

Notruf, Wetter, Flüsse und das Dovrefjell – worauf es wirklich ankommt

Wie sicher ist der Olavsweg? Und worauf sollte man wirklich achten?

Wie sicher ist der Olavsweg?

Der Olavsweg ist ein gut markierter Pilgerweg und für gesunde Wanderer grundsätzlich sicher. Wir sind ihn 2019 gelaufen, ohne je in eine echte Notlage zu geraten. Das größte Risiko sind dabei nicht die Tiere, über die man sich vorher oft die meisten Gedanken macht, sondern Wetter, Kälte und das Gelände – besonders in den Bergen und auf dem Dovrefjell.

Diese Seite bündelt die wichtigsten Sicherheitsthemen. Für die Details zu Tieren haben wir eigene Seiten zu Bären und Mücken und zu den gefährlichen Tieren in Norwegen.

Welche Notrufnummern und Apps brauche ich?

Präge dir die norwegischen Notrufnummern ein:

  • 110 – Feuerwehr
  • 112 – Polizei
  • 113 – medizinischer Notruf
  • 116 117 – ärztlicher Bereitschaftsdienst (nicht akut)
  • +47 22 59 13 00 – Giftinformationszentrale

Sehr empfehlenswert ist die kostenlose App „Hjelp 113“: Sie zeigt den Rettungskräften im Notfall deinen genauen Standort. Trage dein Handy immer geladen bei dir und nimm eine Powerbank mit – Steckdosen gab es bei uns fast überall, aber eben nicht auf dem Weg. Wichtig: Der Handyempfang ist in Wander- und Berggebieten lückenhaft. Lade dir Karten offline herunter und prüfe vorab die Netzabdeckung deines Anbieters.

Wetter und Kälte – die eigentliche Gefahr

In Norwegen kann das Wetter schnell umschlagen. An einem einzigen Tag sind von 30 °C bis unter 10 °C große Sprünge möglich, in den Bergen kommen Wind und Regen dazu. Unterkühlung ist damit die realistischere Gefahr als jedes Tier.

  • Zieh dich nach dem Zwiebelprinzip an und hab immer Mütze und Handschuhe griffbereit – auch im Sommer.
  • Prüfe die Wettervorhersage und bleib flexibel: Eine Etappe zu verschieben oder abzukürzen ist kein Scheitern, sondern vernünftig.
  • Für die alpinen Abschnitte lohnt sich ein Blick in die Bergregeln (Fjellvettreglene) der norwegischen Wandervereinigung DNT.

Mehr dazu, wann es sich am besten läuft, steht auf unserer Seite zur besten Reisezeit und zum Wetter.

Wie quere ich Flüsse und Bäche sicher?

Der Olavsweg kreuzt viele Bäche und Flüsse. Flache Furten sind meist harmlos – nach Regen oder Schneeschmelze können sie aber gefährlich anschwellen und reißend werden. Wenn du queren musst:

  • Diagonal gegen die Strömung waten, nie tiefer als bis zum Knie.
  • Schuhe anbehalten (fester Stand), Trekkingstöcke zur Balance nutzen.
  • Danach in trockene Socken wechseln, um Blasen und Auskühlung zu vermeiden.
  • Im Zweifel umkehren und eine sichere Alternative oder besseres Wetter abwarten.

Das Dovrefjell: besondere Vorsicht

Der Abschnitt über das Dovrefjell ist der anspruchsvollste und wetterexponierteste des ganzen Weges. Hier gilt besondere Vorsicht:

  • Die temporären Brücken über die Gebirgsbäche werden erst um den 10. Juni aufgestellt und im Herbst wieder entfernt. Vorher solltest du die eiskalten Schmelzwasserflüsse nicht zu Fuß queren.
  • Geh das Dovrefjell frühestens Mitte Juni zu Fuß an. Wer früher unterwegs ist, nimmt diesen Teil besser mit dem Zug.
  • Das Wetter kann hier plötzlich umschlagen – nimm warme Kleidung, genug Essen und eine Notfallausrüstung mit.
  • Auf der Hochebene leben Moschusochsen: Halte mindestens 200 Meter Abstand und weiche langsam rückwärts, falls sich eines nähert. Mehr dazu auf unserer Seite zu den gefährlichen Tieren.

Tiere: das Risiko richtig einordnen

Die großen Raubtiere (Bär, Wolf, Vielfraß) leben im Osten und Norden Norwegens, fern vom Weg, und sind extrem scheu. Realistischer sind:

  • Moschusochse am Dovrefjell (Abstand halten),
  • Elche, besonders in der Kalbzeit im Frühjahr und Sommer (Abstand halten),
  • Zecken (nach jeder Etappe absuchen, Entfernung kennen),
  • die Kreuzotter, Norwegens einzige Giftschlange (scheu; bei Biss 113 rufen).

Die ausführliche Einordnung mit Karten steht auf unseren Seiten zu Bären und Mücken und den gefährlichen Tieren in Norwegen.

Kann man das Wasser unterwegs trinken?

Leitungswasser in Unterkünften ist bedenkenlos trinkbar – wir haben unsere Flaschen morgens aufgefüllt, oft an Wasserhähnen auf Friedhöfen. Bei Wasser aus der Natur gilt: fließendes ist sicherer als stehendes, und man sollte Bäche nahe Weiden, Hütten oder in Jahren mit vielen Nagetieren meiden. Im Zweifel abkochen. Als wir liefen, gab es regional eine Warnung vor einer durch Nagetiere übertragenen Krankheit – dann trinkt man besser nicht direkt aus dem Bach. Mehr zum Thema auf unserer Seite zu Verpflegung und Wasser.

Allein oder in der Gruppe – und wie man vorsorgt

Der Olavsweg lässt sich gut allein gehen (mehr dazu auf unserer Seite zum Solo-Pilgern). Egal ob allein oder zu zweit, ein paar einfache Dinge erhöhen die Sicherheit deutlich:

  • Sag jemandem Bescheid, welche Etappe du planst und wann du ankommen willst.
  • Triff eigene, vorsichtige Entscheidungen – bei Wetter, Flüssen und Tempo bist du selbst verantwortlich.
  • Nutze die regionalen Pilgerzentren entlang des Weges: Dort bekommst du aktuelle Auskunft über Wegverhältnisse, gesperrte Abschnitte oder das Wetter.

Häufige Fragen zur Sicherheit auf dem Olavsweg

Wie sicher ist der Olavsweg?
Der Olavsweg ist ein gut markierter Pilgerweg und für gesunde Wanderer grundsätzlich sicher. Das größte Risiko sind nicht Tiere, sondern Wetter, Kälte und das Gelände – vor allem auf dem Dovrefjell. Mit passender Ausrüstung, geladenem Handy und der Bereitschaft, bei schlechtem Wetter flexibel zu sein, ist das Risiko gering.
Welche Notrufnummer gilt in Norwegen?
In Norwegen erreichst du die Feuerwehr unter 110, die Polizei unter 112 und den medizinischen Notruf unter 113. Für nicht akute medizinische Fragen gibt es die Nummer 116 117. Nützlich ist die kostenlose App „Hjelp 113“, die den Rettungskräften deinen Standort übermittelt.
Darf man auf dem Olavsweg Flüsse zu Fuß durchqueren?
Flache Furten sind meist unproblematisch, nach Regen oder Schneeschmelze können Bäche aber gefährlich anschwellen. Quere langsam und diagonal gegen die Strömung, nie tiefer als bis zum Knie, mit angezogenen Schuhen und Stöcken zur Balance. Wenn du unsicher bist, kehre um. Am Dovrefjell werden die temporären Brücken erst um den 10. Juni gesetzt.
Ab wann kann man das Dovrefjell zu Fuß gehen?
Das Dovrefjell sollte man frühestens Mitte Juni zu Fuß angehen. Vorher liegt oft noch Schnee, die Bäche führen eiskaltes Schmelzwasser und die temporären Brücken sind noch nicht aufgestellt. Wer früher unterwegs ist, nimmt diesen Abschnitt besser mit dem Zug.
Abenteuer Olavsweg - Eine Frau pilgert den Neuanfang

Stefanies Buch zum Olavsweg
als eBook

Steig ein ins Pilgerabenteuer und erlebe den nördlichsten Pilgerweg der Welt.
Jetzt Lesen!
Autorin Stefanie Jarantowski